Gisela Keßler ist am vergangenen Freitag überraschend mit 88 Jahren verstorben. '
Mit ihr verliert die evangelische Kirche eine engagierte Christin, eine politisch wache und streitbare Frau und eine überzeugte Kämpferin für Nachhaltigkeit, Frieden und Gerechtigkeit.
Gisela Keßler engagierte sich schon für den Klimaschutz als es dieses Wort noch gar nicht gab: Auf dem Albert-Schweizer-Gemeindehaus in Bibrich gibt es seit 30 Jahren eine Photovoltaikanlage. Nachhaltige, faire und ethische Geldpolitik ist Keßler seit Jahrzehnten ein Anliegen. Schon vor 30 Jahren trat die damalige Albert-Schweizer-Gemeinde auf Keßlers Initiative hin einer Entwicklungsgenossenschaft bei.
In privater Initiative hat sich Keßler besonders für die Belange von Frauen und armen Menschen eingesetzt. Seit 40 Jahren betrieb sie engagiert den Eine-Welt-Stand im Albert-Schweitzer-Gemeindezentrum. Bis zu ihrem Tod hatte sie Spendensammlungen für Frauen in Nicaragua organisiert. Ihr Einsatz für Frauen und Mädchen zog sich durch ihr ganzes Leben: Viele Jahre war sie etwa Mitglied der Jury zur Verleihung des Siegele-Wenschkewitz-Preises für feministische Theologie und theologische Frauenforschung.
Ihr Engagement für Nachhaltigkeit, Frieden und Gerechtigkeit wurde 2020 vom Evangelischen Dekanat Wiesbaden mit dem Wilhelm-Kahl-Preis für Mitmenschlichkeit ausgezeichnet.
Gisela Keßler und ihr Mann gehörten zu den Gründungsmitgliedern der evangelischen Albert-Schweizer-Gemeinde in Biebrich, die vor zehn Jahren fusionierte und zur Hoffnungsgemeinde wurde. Keßler war mehr als 50 Jahre lang im Kirchenvorstand, darüber hinaus war sie auch jahrelang Mitglied der Dekanatssynode Wiesbaden und der Kirchensynode in Darmstadt.
Die gebürtig aus Schlesien stammende Keßler habe eine schier unendliche Wissbegierde bei theologischen Fragen und ihren Antworten auf die gesellschaftlichen Herausforderungen gehabt, sagen die Menschen, die sie gut kannten.
Keßler war ein politisch wacher Mensch. Sie bestach durch einen messerscharfen Intellekt. Sie hat in ihrem Engagement mehrfach Umstrukturierungen ihrer Heimatgemeinde erlebt: Keßler arbeitete nicht nur konstruktiv an der Fusion von Albert-Schweitzer-Gemeinde und Hauptkirchengemeinde mit, sondern bis zu ihrem Tod engagierte sie sich auch an einer weiteren Fusion der Biebricher Kirchengemeinden mit den AKK-Gemeinden.
Sie war eine intellektuell wache Gesprächspartnerin. Sie hat für eine gerechtere Welt gekämpft - unbeugsam bis ins hohe Alter. "Sie war für mich ein Mensch, der wirklich aus seinem Glauben lebte. Eine große Frau. Manchmal litt sie unter Einsamkeit und sprach darüber. Sie möge nun die Worte des himmlischen Vaters hören: ‘Komm, meine Tochter, nimm Platz am Tisch deines Vaters’”, so der Biebricher Pfarrer Dr. Thomas Krenski.
Wir sind dankbar für die Zeit, die wir mit ihr teilen und gestalten durften. Unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen. Mit ihnen wissen wir uns verbunden in der Hoffnung auf die kommende Welt.
Der Termin für die Trauerfeier steht noch nicht fest.